Mittwoch, 18. April 2012

Down

Stumme Stimmen singen in meinem Ohr längst vergessene Lieder im Chor. Ich fühle mich so downgegraded, wie die Erfinder der Facebookchronik - niemand will sie haben. Ich rauche Lucky Strike Kippen, aber ohne die bösen Horrorzusätze, damit der Geschmack noch abgefuckter ist. Wenn ein Mensch sich verletzt, setzt sein Gehirn aus und ein Automatismus fängt an die Wunde zu versorgen. Blut tropft, unser Lebenselexier und ich schaue es gelassen an, wie ein Romantiker die Natur anschaut und doch ist Blut unnatürlich, denn es ist dicker als Wasser, denke ich.
Habe mir grad Essen aufgewärmt, aus der Dose. So Dosenfraß wird vermutlich unterschätzt, schmeckte gar nicht so schlecht mit ein paar Gewürzen. Würze bräuchte ich auch öfter für mein Leben, denke ich und streue Salz in die Wunde. Das Salz der Welt ist Zucker, doch ich bin Diabetiker.
Downphase beendet, over and out.




Lutsch mir doch den Schwanz.




Montag, 26. März 2012

Chancengleichheit.

Chancengleichheit. Was bedeutet dieses Wort eigentlich, dachte ich und ging spazieren, guckte währenddessen in den schwarzen Himmel, der so viel Kälte ausstrahlte, dass ich gar fror. Normalerweise ist ein blauer eher mein Favorit und doch schätzte ich dieses Spektal als sinnvoll ein. Der Himmel kann ja nicht immer blau sein, nicht immer Lachen, nicht immer glücklich sein und doch möchte ich es so sehr. Wer konnte mir diesen Grundsatz vom rechten Maß der Mitte besser vermitteln als Fräulein Mutter Natur, die natrülich immer bestrebt ist diesen zu erfüllen? Ich kratzte mich am Kopf, wollte überlegen, wollte klug sein und schaffte es nicht.
Das Umfeld ändert sich und ich mich mit ihm. Der Wald hatte mir immer schon Freude bereitet, schon als kleiner Junge zwischen den großen starken Bäumen gelaufen, auch versteckt. Sie schützten mich vor Schranken, vor eiskalten Blicken, vor der schneidenen Luft. Es war immer kühl hier und die Menschen waren auch so, obwohl sie in der Stadt lebten, wenn man es Stadt nennen konnte, was eigentlich ein Dorf war. Trunken von der Luft, gar berauscht sah ich einmal eine Kerze, auf dem Wasser des Sees. Eine Kerze, so hell, dass sie die Dunkelheit fernhielt, mich wärmte, ich mich fügte. Sie sagte mir, dass mir eine trostlose Zeit bevorstehe. Ich müsse stark sein, tapfer sein, weiter machen. Immer nur weiter, ohne Begründung, weiter und weiter.
Diese ganzen Eismenschen, dachte ich. Kühl geworden in ihren Herzen, atmen kalte Luft ein und aus, wieder ein und aus mit ihren zugefrorenen Lungen. Arbeiten wie Eismaschinen in den Tag hinein, vergessen das Leben, lieben nichtmal sich, gar niemand hat Liebe übrig für irgendjemanden. Halb so wild, denke ich, denn sie merken es noch nicht einmal. Und wenn sie es merken würden, kämen sie damit nicht klar, davon bin ich überzeugt.
Ich solle doch nicht so viel träumen, wird mir immer gesagt. Die Realität akzeptieren. Aber ich weine für jenen Menschen, dem dieses Schicksal seines ist. Akzeptieren ist leicht, aber sein Herz öffnen und zu ändern bedarf es wahren Muts. Jeder Mensch hat die Möglichkeit seine Zukunft so zu gestalten, wie er es möchte. Das Unmögliche zu wagen und Regenbögen an den tristen Himmel zu malen, als wäre ich, jener Mensch, der den Pinsel des Schicksals in der Hand hält, nur noch malen muss. 
Ich beneide manches Mal Menschen, die schön sind. Schönheit ist wahrscheinlich eine der wenigen Eigenenschaften, die nicht gleich verteilt sind und doch habe ich irgendwo selber die Verantwortung, die Möglichkeit gutassehend zu sein. Auch wenn ich nur innerlich schön bin, reicht das vollkommen aus. Denn ich suche mir meine Menschen aus, ich bin Menschenfänger. 
Zusammenfassend kann ich nur Gott fragen, ob das Chancengleichheit ist. Erkennen zu können für wen ich weinen oder lachen soll?

Donnerstag, 22. März 2012

Mal wieder...

Mal wieder schreiben. Mal wieder glücklich sein. Mal wieder lachen. Mal wieder weinen. Mal wieder kiffen. Mal wieder träumen. Mal wieder malen. Mal wieder gehen. Mal wieder sehen. Mal wieder auf Bäume klettern. Mal wieder auf der Mofa brettern. Mal wieder singen. Mal wieder tanzen. Mal wieder springen. Mal wieder Schranken.

Einfach mal die Dinge wieder tun, die man sonst nicht macht. Auch wenn ich es nicht will und trotzdem lach'. Schach, ein Spiel der alten Könige und wenn ich auch selten höfliche Törichte finde, die so sind wie ich. Königlich noch nie gewesen und trotzdem geben anstatt viel zu viel zu nehmen. Meine armen Meinigen. Ich sag nur Amen in der Kirche und flüchte. Letzte Sprüche in der Küche, es ist aus.

Mal wieder leben. Mal wieder streben. Mal wieder denken. Mal wieder fühlen. Mal wieder in toter Erde wühlen. Mal wieder den Ernst des Lebens spüren...

Montag, 7. November 2011

Ich denk' an dich.



Ich denk' an dich.
Auch wenn ich dich nicht seh', dich nicht fühl', dich nicht versteh' und trotzdem bist du da und ich freue mich, ich liebe dich. Dich und dich und dich. 
Ich werde mich nie lieben, aber du.
Du verstehst mich, fühlst und siehst mich, nicht so wie ich.
Glücklich bin ich lange nicht, zerrissen eher innerlich und du, du bist einfach unglaublich schlicht.
Ein Licht, dein Licht will ich sein, dass ins dunkle schlich und dabei dich berühr', ganz unwesentlich. Traurig. Gierig nach trauernde Traurigkeit, schwierig baumelnde Schüchternheit und doch seh' ich dich nicht, fühl ich dich nicht, versteh' ich dich nicht. 
Ich denke nur an dich.


Entschuldigt diesen belanglosen Gefühlsmüll.


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Donnerstag, 30. Juni 2011

Nachtschatten.

Ich weiß auch nicht. Irgendwie kommt mir die Verbindung von der Tomatenpflanze und einer Orangerie doch ziemlich dubios vor, doch kann ich es euch nicht vorenthalten, einen kleinen Ausschnitt des Romans Auslöschung. Ein Zerfall ,von Thomas Bernhard, zu präsentieren. Diese Assoziation habe ich der Bloggerin Mimi zu verdanken, da ihr Profil ihre Herkunft preisgibt und der Autor des Romans eine lange Zeit in dem Land verbrachte und seinen Protagonisten viel über dieses Land erzählen lässt.


„[...] Mein erster Kontakt mit den sogannten anderen Menschen war der Kontakt zu den Gärtnern gewesen, sie beobachtete ich, sobald und sooft und solange ich konnte. Aber ich gab mich schon von Anfang an nicht nur mit der Farbenpracht der Gewächse zufrieden, hatte ich zu Gambetti gesagt, ich wollte immer schon gleich auch wissen, woher die Farbenpracht kommt, woraus sie entsteht und wie sie präzise bezeichnet wird. Die Gärtner auf Wolfsegg waren immer die geduldigsten Leute gewesen, sie strömten die größte Ruhe aus und lebten in der Regelmäßigkeit und in der Einfachheit, die ich wie keine andere bewundert habe. Von den Gärtnern war ich immer am meisten angezogen gewesen, ihre Bewegungen waren die unbedingt notwendigen, beruhigenden, immer nützlichen, ihre Sprache war die einfachste, klarste. Sobald ich selbstständig gehen konnte, war mein Lieblingsaufenthalt die Orangerie gewesen, [...]. Vorallem im Winter, wenn die freie Natur schneebedeckt und kahl war, hatte ich zu Gambetti gesagt, hatte die Orangerie ihre große Zeit. Ich durfte von Anfang an bei den Gärtnern sein und zuschauen, schließlich mit ihnen arbeiten. Es war ein großes Glücksgefühl für mich, hatte ich zu Gambetti gesagt, wenn ich in der Orangerie von einer kleinen Bank aus, bei den Azaeelen, die meine Lieblingsblumen sind, die Gärtner beobachten durfte. Schon das Wort Orangerie hat mich immer fasziniert, hatte ich zu Gambetti gesagt, es war das Lieblingswort meiner Lieblingswörter. [...]"


Ist doch etwas länger geworden, aber es ist für mich ein so schönes Gefühl diesen Text zu lesen, als ob sich diese Wörter wie ein Seidentuch um mein Hirn falten und es behutsam umschlingen, um mich entfalten zu lassen.
Es geht mir so ähnlich wie dem Protagonisten bei dem Wort Nachtschatten, dass auf mich eine Wirkung hat, eine vollkommende, eine beruhigende, aber auch düstere, wenn nicht die düsterste Wirkung, denke ich. Zwar sind Nachtschattengewächse antagonistisch zu den Zitruspflanzen, die bekanntlicher Weise in einer Orangerie wachsen, aber das Gefühl, was der Protagonist erlebt, der Autor beschreibt, ist ein ähnliches, ein gleiches. Um abschließend noch ein wenig Farbe in die Tristesse dieses Blogs zu geben, füge ich noch ein wenig Bildmaterial unserer Nachtschattengewächse hinzu, die ich mit Tatendrang pflege und gepflegt habe. Solanum lycopersicum oder auch einfach Tomate.



Das Gewächshaus neben unserem Garten.
(Habe ich selber aufgebaut!)


Tomatnepflanzen an unserer Hauswand.
(Im Gewächshaus ist leider nicht viel Platz!)


Blüten einer Tomatnepflanze im Gewächshaus.
(Eigentlich finde ich die Farbe Gelb unschön, aber an der 
Pflanze ist es erträglich und natürlich!)


Früchte der mittleren Tomatenpflanze im Gewächshaus
(Ob das was wird?)

Sonntag, 19. Juni 2011

Lagerfeuerdepressionen.

Schöner Tag. Ein schöner Tag heute. Es hat alles geklappt und wir sind zufrieden, denken wir, während das kühle Bier die Rachen runter fließt, als säßen wir höchst persönlich als Schneemann in der Hölle. Die Kinder sind glücklich. Sie haben ihre Eltern heute größtenteils gesehen und diese sahen, wie glatt doch alles lief. Ein kompetentes Leiterteam, sowie die Leitung derer. Doch unsere größte Herausforderung sollte den nächsten Tag so prägen, so fernab aller Gedanken sein, dass wir uns in Sicherheit wogen. Ein schönes Gefühl. Sicherheit. Man bemerkt sie eigentlich nur, wenn sie durch Abwesendheit auffällt. Als der Lärm der Kinder nur durch ein paar gezündete Knallkörper übertönt werden konnte, standen wir auf, gemeinsam. Erst trieben wir die Kinder wieder in ihre Zelte, die vor Aufregung nicht wussten, was sie machen sollten, doch dafür sind wir ja da, wir behalten den kühlen Kopf, wir zeigen Verantwortung durch geschlossenes Auftreten. Die Überfaller ziehen sich zurück. Gut, denken wir und versuchen die abendliche Tagesreflexion so gut es geht durchzuführen, dann ein weiterer Knall, wie wir dachten. Etwas dumpf klang es schon, dachten wir im Nachhinein, aber nicht außergewähnlich auffällig. Wir rannten. Rannten aus dem Lager um den Überfallern klar zu machen, dass Knallkörper tabu sind, keine Option. Gleichzeitig dachten wir, dass es besser sei im Lager zu bleiben, den Wimpel zu beschützen und uns nicht rauslocken zu lassen. Die Anderen werden das schon regeln, dachten wir. Unser letzter geordneter Gedanke, dachte ich und setzte mich an das grell-flackernde Lagerfeuer. Es ist so heiß, dachte ich, als ich mein Bier leerte, mir noch eins nahm und es wieder leerte. Nach und nach kamen mehr Besucher zu uns. Wir bereitetem dem Spiel ein Ende, der Umstände halber. Gar nicht mehr so spaßig, dachten wir und saßen da. Wir alle um das Lagerfeuer, das wichtigste Symbol unserer Gefühle, wie es lordert und leckt, seine Wärme uns von Innen heraus auffrisst, als entziehe es uns aller Kraft und Klarheit. Wir sitzen nun da und sind machtlos, der Junge, der mit 70km/h angefahren wurde ist auf dem Weg in das Krankenhaus. Er wird es nicht schaffen, stirbt am nächsten Morgen an den Folgen des Unfalls. Wir wissen das nicht und das einzige, was uns übrig bleibt ist Beten. Beten zu Gott, oder zu wem auch immer, der die Macht hat ein Leben zu schützen. Eine unglaubliche Atmosphäre, denke ich und weiß gleichzeitig, dass dieses Ereignis uns als Menschen ein Stück näher gebracht hat. Ein tragisches Ende, denke ich, denkt er, denkt sie, denken wir, dass uns veränderte. Ich schaue nochmal ins Feuer, die verbrannte Asche schwebt im Wind, Richtung Boden. Gegenwart ist Vergangenheit. Wir werden Zukunft.







Mittwoch, 11. Mai 2011

Im Altersheim ist man nie allein.

Diese Alten Säcke, diese ganzen Alten und Säcke, die ich Tag für Tag, Woche für Woche, vielleicht auch noch Monat für Monat pflegen muss. Meine Arbeit ist nicht die Schönste, aber gesellschaftlich bzw. pseudomoralisch gewollt.  In Wirklichkeit wissen die ganzen Normalen doch, dass so ein demenzkrankes oder auch im Koma verbringendes Leben nichts mehr wert sein kann, rein gar nichts, denke ich, als ich mir meine fettige Haarsträhne aus dem faltigen Gesicht streife, sie um meinen Finger zwirbel und diesen gleich danach in meine Nase bohre. 
Auch wenn sich niemand mehr um sie kümmert, ich bin für sie da, meine Schätze, meine Menschen, meine Opfer. Die Angehörigen wissen von mir kaum was, nehmen mich zudem bei einem Besuch kaum war, dafür werde ich auch nicht bezahlt. Offizielle Sachen regelt die Oberkrankenschwester und wir Altenpfleger verstecken uns in unserm kleinem Kämmerchen, indem wir unsere sogenannten Pausen verbringen, die wirklich keine sind. Diese Arbeit, Beruf oder auch diese Lebensaufgabe verlangt mir ziemlich viel ab. Ich nehme die Last von ihnen auf mich und kümmere mich um meine Schätze. Potenzielle Leiche wenden, waschen, Windeln wechseln. Fingernägel pfeilen, Haare schneiden, weilen. Weilen? Dafür hab' ich kaum Zeit, spüre ich, während ich das Bett des Menschen neu beziehe, der im selben Augenblick irgendwo von den Zivi's herumgeschoben wird. Vielleicht verarschen sie ihn auch ein bisschen, er kann ja sowieso nichts dagegen machen und bei wem sollte er sich mal ehrlich beschweren? 
Auf ins nächste Zimmer, mein Lieblingsopfer, mein Liebling. Von ihm ist nichts bekannt, keine Angehörigen, keine Verwandten, kein oller Pfaffe, der sich mal nach ihm erkundigt. Ich muss schmunzeln. Finde es schon sehr witzig, wie arm so eine Kreatur dran sein kann, aber ich bin ja da. Und werde auch weiterhin da sein, bis uns der Tod scheidet. Wie er da so liegt, habe ich das Bedürfnis mit meinen länglich vergilbten Hexenkrallen ihm sein Doppelkinn zu kraulen und kraule ihm mit meinen länglich vergilbten Hexenkrallen auch dieses. Er zuckt mit seinem Kopf, schließt und öffnet seine Augen permanent, als wolle er mich auffordern weiterzumachen, weiterzugehen. Zufälligerweise, doch nicht ganz so zufällig, habe ich  Viagra in Pulverform dabei, um meinen Lustsklaven einen gefallen zu tun. Von alleine wird er da unten nicht mehr hart, stellte ich fest, als ich meine graziöse Figur an ihm rieb. Die Kochsalzlösung hängt da so unschuldig und rettet ihm wahrscheinlich auf lange Sicht auch das Leben, ein Grund mehr es etwas aufzupeppen, denke ich, also streusel ich ein wenig Glücksstaub in die Flüssigkeit. Über seine alten, wahrscheinlich auch verrunzelten, Arterien und Venen verteilt sich der Stoff noch schneller und das Bettlaken erhebt sich, wie ein Indianertipi. Ich grinse mein Schatz, meinen Menschen, mein Opfer so glücklich an und zwinker dabei, dass er in Ohnmacht fällt. Egal, Medikamente funktionieren auch in Abwesendheit. 
Auch wenn es scheint alleine zu sein - im Altersheim ist man nie allein.